Besuch beim Patenkind in Viet Nam :)

Wie versprochen, ist hier der länger aufgeschobene Bericht über meinen Besuch beim THUMB Patenkind in Viet Nam im März. :)
THUMB unterstützt Thi Lien schon seit 4 Jahren. Vermittelt wurde die Patenschaft von World Vision und jetzt wollte ich die kleine Maus mal persönlich kennenlernen und sehen, was mit dem Geld so passiert…

19Da war ich also in Viet Nam und konnte es kaum glauben. Heute sollte ich Thi Lien kennenlernen, unser THUMB Patenkind, das wir schon seit Jahren kennen und ins Herz geschlossen haben. Aufgeregt warteten Alex und ich im Hotel in Hué auf den Fahrer, der uns zuerst ins World Vision Büro in die Provinz Quang Tri bringen sollte. Dieser kam pünktlich und so machten wir uns auf in Richtung Süden. Nach guten 2 Stunden Fahrt durch den heißen Morgen, erreichten wir in einer kleinen Nebenstrasse das World Vision Büro. Dort empfing uns Mitarbeiterin Ly sehr herzlich und erklärte uns zuerst, wie der Besuch ablaufen würde, was geplant war und was dabei zu beachten wäre. Sobald der Papierkram erledigt war, ging es weiter Richtung Projekt.

2Über unbefestigte Strassen fuhren wir mitten ins Nirgendwo – so war zumindest unser Eindruck. ;) Einmal kam uns ein Ochsenkarren entgegen und unserer Fahrer musste seine ganzen Fahrkünste einsetzen, damit wir an ihm vorbei kamen, denn Regen hatte die „Fahrbahn“ doch reichlich unterspült.
Doch dann waren wir plötzlich da, bogen auf den Hof der großen gelben Schule ein. Meine Aufregung wuchs.. 18

In den Klassen hörte man die Schüler im Unterricht, alle in ihren kleinen schicken Schuluniformen. Das Schulgelände war groß und sauber. Unser Weg führte uns zuerst ins Büro des Direktors, wo wir herzlich empfangen wurden. Und dann tauchte plötzlich Thi Lien auf der Treppe auf! Die Freude war groß, wir schlossen uns fest in 5die Arme und ich konnte kaum glauben, wie groß sie schon war! Hinter Thi Lien kamen ihre Eltern. Die Mutter umarmte mich und wollte mich gar nicht mehr loslassen, auch ohne Worte verstanden wir beide uns von Anfang an prächtig! Thi Liens Vater standen die Tränen in den Augen – ich war völlig gerührt. Gemeinsam gingen wir ins Büro und machten es uns am Tisch gemütlich. Wir erzählten ein bisschen über die Reise, über uns, stellten viele Fragen und Ly übersetzte fleißig unser Englisch ins Vietnamesische und umgekehrt. Es war unglaublich, da saßen wir in einer Schule in Viet Nam in einem kleinen Dorf, an meiner Seite das Mädchen mit dem ich schon so viele Briefe gewechselt hatte und verstanden uns so gut, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Die Atmosphäre war so herzlich und offen und ein Außenstehender hätte wohl leise über 4so viel grinsende Gesichter gelacht. :) Ich verteilte die Geschenke, die ich mitgebracht hatte – unter anderem ein Bildband aus Deutschland, damit sie sich vorstellen konnten, wie meine Heimat aussieht. Die Freude war groß!

Thi Lien bat den Direktor heute früher gehen zu dürfen, damit sie uns begleiten konnte. Natürlich wurde ihr dieser Wunsch erfüllt, aber zuerst sollten wir ihre Klasse kennenlernen. Englisch stand auf dem Programm – das passte doch! Als wir die Klasse betraten, sprangen die Kinder von ihren Stühlen auf und begrüßten uns höflich und aufgeregt zu gleich. Ich stellte 3mich vor, erzählte ein wenig über mich und meine Heimat und meinte, sie dürften mir gerne Fragen stellen. Die Schüchternheit war wohl aber zu groß als dass sich jemand getraut hätte, Englisch zu sprechen – im Teenager Alter kein Wunder ;) Und so bat ich den Lehrer einfach mit dem Unterricht fortzufahren, weil ich interessiert daran war, wie er hier ablief. Viel disziplinierter als in Deutschland – so viel stand fest. Wenn Kinder aufgerufen werden, stehen sie zum Antworten auf. Der Lehrer ist Respektsperson und trotzdem herrschte eine lockere Atmosphäre.

Thi Lien hatte uns vorher erzählt, dass sie später selbst mal Englisch Lehrerin sein wollte und so achtete ich natürlich speziell auf sie. Mir fiel auf, dass sie theoretisch viel konnten, es aber mit der Aussprache haperte. Im anschließenden Gespräch fragte ich den Lehrer, was man dagegen tun könnte und er erklärte mir, dass schon viel geholfen wäre, wenn die Kinder einfach mal Muttersprachler hören könnten. Das sollte sich doch eigentlich möglich sein, dachte ich und beschloss mit Ly nach dem Besuch im Projekt, den Markt in der Stadt zu besuchen. 7

Doch jetzt war Schulschluss für uns, Thi Liens Mutter verteilte meine mitgebrachten Süßigkeiten unter den Schulkindern, das Hallo waren groß und langsam machten wir uns auf den Weg. Zuerst begleiteten wir den Projektleiter zu einem Wasserkanal, den 6World Vision für die Bauern gebaut hat. Dank des Kanals und den Lehrgängen, die WV ebenfalls anbietet, kann jetzt – auf einem ehemals trockenen sandigen Boden – zwei Mal im Jahr Reis geerntet werden. Außerdem bauen die lokalen Bauern Erdnüsse und Süßkartoffeln an. Das Land, obwohl direkt am Meer, erschien grün und fruchtbar. Wie schön war es zu sehen, dass das Geld, was man monatlich überwies auch wirklich ankommt und so viel Hilfe bedeuten kann!

9Die nächste Station war der Kindergarten des Projekts. Auch hier hat World Vision viel geleistet, neben dem10 Bau von Gebäuden wurde auch Spielzeug für drinnen und draußen angeschafft. Die Kinder werden früh morgens von den Eltern in den Kindergarten gebracht und am späten Nachmittag abgeholt. Als wir ankamen war gerade das Mittagessen vorbei und die Kleinen hatten sich gerade zum Mittagschlaf hingelegt. Nach Altersgruppen getrennt, lagen sie in verschiedenen Zimmern – einfach auf dem Boden, auf gewebten Matten. Die, die noch wach waren 11machten große Augen als sie uns sahen. Sie waren so süß anzuschauen, dass ich sie am liebsten alle mit eingepackt hätte! Die Kindergartendirektorin erklärte uns den Tagesablauf, was gekocht wird – der Kindergarten hat sogar eine eigene Sojamühle – und was die Kinder hier so8 den ganzen Tag tun. Man merkte, dass sie ihren Job gern machte und dass die Kinder hier wohl aufgehoben sind.

Vom Kindergarten aus fuhren wir dann zum gemeinsamen Essen an den Strand. Dieser war menschenleer und wunderschön, kein Wunder, in diese Ecke verirrt sich wohl kein Tourist. Umso mehr genoss ich den Aufenthalt unter den Einheimischen. Wir machten es uns in einem Strandlokal gemütlich. Wie üblich saßen wir dabei auf dem 14Boden vor einem kleinen gedeckten Tisch und tranken erst mal heißen Tee. Danach gab es ein 3 Gänge Menu, das wohl jeden Meeresfrüchteliebhaber auf Wolke 7 hätte schweben lassen, Tintenfisch mit scharfer Soße, 13frisch gekochte Krabben und Fischsuppe. Leider esse ich normalerweise absolut nichts, was aus dem Wasser kommt, aber natürlich kam das hier nicht in Frage und so probierte ich mich durch alles, was angeboten wurden. Alex schmeckten die Krabben sogar. ;) Für mich war es eher mein persönliches Armageddon.. nie wieder! Das nächste Mal behaupte ich steif und fest, ich sei Vegetarier. *schüttel*

12Nach dem Essen, bei dem viel gelacht und geredet wurde, entschlossen wir uns zu einem kleinen Strandspaziergang und genossen die Sonne. Bei einem kleinen Fischerboot machten wir Halt, um einige Erinnerungsfotos zu schießen. Es war einfach ein wunderschöner Nachmittag. Doch leider hatten wir noch rund 3 Stunden Fahrt zurück ins Hotel vor uns und 15so mussten wir uns am späteren Nachmittag von Thi Lien und ihrer Familie verabschieden. Es fiel mir schwer, diesen liebenswürdigen Menschen „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Doch bevor wir die Rückreise nach Hué antraten, bat ich Ly mit uns auf den lokalen Markt zu fahren. Und dort fand ich, was ich gesucht hatte. Einen DVD Spieler, eine große Lautsprecherbox und Englisch CDs und DVDs, damit die Kinder in der Schule „native speaker“ hören und so ihre Aussprache verbessern können. Wir bezahlten und Ly versprach uns, dafür zu sorgen, dass der Direktor alles erhielt. Glücklich verabschiedeten wir uns auch von ihr und brachen endgültig Richtung Hotel auf.

Nach meinem Urlaub fand ich eine E-Mail in meinem Postfach mit Fotos 20von der Schule und des Direktors und Thi Lien – sie standen stolz vor den Geräten, die wir auf dem Markt gekauft hatten. Einige Wochen später erreichte mich auch ein sehr netter Brief der Lehrerschaft der Schule, in dem sie sich herzlich für die Spende bedankten. Dabei war ich eigentlich dankbar, dass sie mich so nett aufgenommen hatten!

Selbstverständlich sind seit meinem Besuch im Frühling schon wieder Briefe hin und her geschickt worden und jetzt, da ich Thi Lien persönlich kennengelernt habe, macht es doppelt so viel Spaß und Freude ihr und ihrer Familie zu schreiben.

Ich kann jedem Paten, dem es möglich sein sollte, wirklich empfehlen, 16einmal in das Land seines Patenkindes zu fahren und sich selbst einen Eindruck zu machen. Das, was man vor Ort erlebt und bekommt, kann man eigentlich mit keinem Geld der Welt bezahlen. Danke an alle World Vision Mitarbeiter, die diesen Besuch möglich gemacht haben. Mein zweites Patenkind wohnt in der Mongolei… mal sehen, wann die Reiseplanung beginnt …. ;)

~ von jos01 am Juli 14, 2009.

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